Der Roman setzt nicht einfach eine Kriminalhandlung vor historische Tapete. Er schickt Artur Elbing, den zweiten Gerichtsreporter des Berliner Morgenkuriers, in eine Stadt, in der Nachrichten, Akten, Gerüchte und politische Rücksichten gefährlich ineinandergreifen. Berlin ist 1908 laut, modern und sehr von sich überzeugt. Die Moderne klingelt, fährt, druckt, fotografiert und leuchtet. Aber sie hat die alten Hierarchien nicht verdrängt. Sie hat ihnen nur mehr Tempo gegeben. Ein Dokument kann verschwinden, ein Postfach kann plötzlich wichtig werden, eine Redaktion kann zur Schaltstelle werden, und im Polizeipräsidium am Alexanderplatz entscheidet sich nicht nur, was wahr ist, sondern auch, was öffentlich werden darf.
Diese Seite erzählt spoilerarm von genau diesem historischen Boden: vom Zeitungsbetrieb, von Polizei und Macht, von Bahnhöfen, Postwegen, öffentlicher Moral und einer Stadt, in der ein junger Reporter rasch merkt, dass ein guter Satz manchmal genauso gefährlich sein kann wie ein falsches Alibi.